Heute ffnen die Kitas wieder

Daniel Oetzel, sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, im Hamburger Abendblatt: 05.06.2015

Am Donnerstagmorgen war Sandra Cantzler erst einmal eine groe Runde in Planten un Blomen joggen. Kurz zuvor hatte sie erfahren, dass der Streik der Erzieher in der Kita ihrer Tochter vorerst zu Ende geht. Heute luft der Betrieb wieder regulr. "Wir freuen uns natrlich sehr", sagt die 42Jhrige. Der Sport, ihre Arbeit, Freizeit das war in den vergangenen vier Wochen zu kurz gekommen. Whrend des Streiks musste die freiberufliche Journalistin ihre fnfjhrige Tochter Elinor zu Hause betreuen oder sie bernahm mit Eltern den Notdienst in ihrer Eimsbtteler Kita. Wie Tausende andere vom KitaStreik betroffene Eltern ist sie erleichtert, dass die bundesweiten Arbeitsniederlegungen beendet sind. Vorlufig. Die Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Ver.di und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbnde (VKA) zur Aufwertung der Sozialund Erziehungsberufe in kommunalen Einrichtungen und der Forderung nach zehn Prozent mehr Gehalt sind zwar gescheitert, aber sie konnten sich auf eine Schlichtung einigen. Ab heute gehen Hamburgs Erzieher wieder in ihre Einrichtungen. Wie lange die Schlichtung dauert, steht noch nicht fest. "Wir hoffen auf ein zgiges Ergebnis, knnen aber nicht voraussagen, wann das vorliegt", sagt Bjrn Krings von Ver.di in Hamburg. Der Landeselternausschuss (LEA) begrt das vorlufige Ende des Streiks und hatte die fr gestern geplante Demonstration abgesagt. "Beide Seiten mssen alles daran setzen, die Schlichtung zu einem Erfolg zu fhren", sagt Bjrn Stachen, Vorsitzender des LEA. Eine besondere Herausforderung sei die Rckkehr in den KitaAlltag. "Vier Wochen lang wurden unsere Kinder aus ihrer gewohnten KitaUmgebung gerissen. Eltern und Erzieher sollten gemeinsam alles dafr tun, dass der KitaAlltag wieder beginnt", so Stachen Der LEA appelliert an beide Seiten, den Gesprchsfaden nicht mehr reien zu lassen. "Auch die Umsetzung eines bundesweiten Tarifabschlusses fr Hamburg sollte am Verhandlungstisch gelingen ohne neuerliche Streiks." "Es wird eine Zeit dauern, bis die Folgen dieses ungewhnlich langen und heftigen Streiks bearbeitet sind und wieder ein normaler pdagogischer Alltag einkehrt", sagt Franziska Larr, pdagogische Geschftsfhrerin der Elbkinder. Sie wnscht sich, dass vor allem in den Kitas, in denen das Verhltnis zwischen Erziehern und Eltern whrend des Streiks stark gelitten hat, die Erwachsenen ihren eigenen Unmut und rger im Sinne der Kinder hinten anstellen. Die Streikzeit werde gemeinsam mit den Kindern besprochen. Larr geht davon aus, dass die Schlichtung mehrere Wochen dauert. Die FDP fordert eine verbindliche Rckzahlung der Elternbeitrge FDPFamilienpolitiker Daniel Oetze fordert, dass es eine Reform der nicht mehr zeitgemen Erzieherausbildung geben muss, damit der Erzieherberuf aufgewertet wird. Fr knftige Tarifauseinandersetzungen sollten Eltern eine verbindliche Mglichkeit erhalten, ihre Gebhren fr nicht geleistete Betreuung von den KitaTrgern zurckzufordern. Fr Elinor habe die Arbeitsniederlegung ihrer Erzieher auch etwas Gutes gehabt, sagt ihre Mutter: "Wenn ich beim ElternNotdienst dabei war, fand sie das natrlich toll", erzhlt sie. Die Notbetreuung mit den anderen Eltern habe sich zwar eingespielt, aber jetzt reiche es. "Es ist viel Arbeit liegengeblieben. Als Selbststndige hatte ich im Gegensatz zu vielen anderen Eltern das Glck, mir meine Arbeit einteilen und am Abend erledigen zu knnen." Es wird dauern, bis die Folgen dieses ungewhnlich langen und heftigen Streiks bearbeitet sind, Franziska Larr, Elbkinder Herbert Schmalstieg und Georg Milbradt sollen schlichten In Berlin hatten sich in der Nacht zu Donnerstag die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di nach zhen Gesprchen auf eine Schlichtung im Tarifkonflikt geeinigt. Bei einem Schlichtungsverfahren wird von beiden Seiten je ein Schlichter eingesetzt. Fr Ver.di verhandelt Hannovers ehemaliger SPDOberbrgermeister Herbert Schmalstieg, 71, fr die VKA Professor Georg Milbradt, 70, ehemaliger Ministerprsident von Sachsen. Die beiden Schlichter tfteln dann an einer gemeinsamen Lsung des Konfliktes. Whrend dieser Zeit besteht "Friedenspflicht", das heit, es darf keine Warnstreiks geben. Am Ende hegt ein Schlichtspruch vor, also ein Vorschlag fr eine mgliche Lsung. Den Schlichtspruch bewerten die beiden Parteien, bindend ist dieser aber nicht. Kommt die Gewerkschaft zu der Auffassung, dass das Ergebnis der Schlichtung nicht annehmbar ist, leiten die Gewerkschaften den Streik ein. Hierbei handelt es sich um Streiks, die in der Regel unbefristet sind und mit denen die Arbeitgeber so stark unter Druck gesetzt werden sollen, dass ein Kompromiss mglich wird. Bjrn Krings von Ver.di in Hamburg: "Meistens bringt eine Schlichtung einen Fortschritt." Wann ein Schlichtspruch vorliegt, ist offen. Das Schlichtungsverfahren zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivfhrer (GDL) und der Deutschen Bahn etwa luft seit zwei Wochen. (gen)

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