Krippenlptze

Daniel Oetzel, sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, in der Welt: 25.08.2015

Besser, aber noch weit entfernt von gut. Zu diesem Fazit kommt die BertelsmannStiftung in ihrem neusten Report ber die Betreuungsschlssel in Hamburgs Krippen und Kitas. Wie aus dem aktuellen "Lndermonitor Frhkindliche Bildungssysteme" hervorgeht, den die Stiftung am Montag verffentlicht hat, hat sich die ErzieherKindRelation in Hamburgs Kindertagessttten zwar deutlich verbessert. Demnach kommen in Hamburg auf eine vollzeitbeschftigte KitaFachkraft durchschnittlich 5,1 ganztags betreute Krippenoder 8,7 Kindergartenkinder. Zwei Jahre zuvor war eine Erzieherin in Hamburg noch fr 5,7 Krippenoder 9,4 Kindergartenkinder zustndig. Mit der Betreuungsquote in der Krippe liegt Hamburg aber immer noch auf einem hinteren Platz im Lndervergleich und bietet nach wie vor das "ungnstigste Betreuungsverhltnis aller westdeutschen Bundeslnder". Der Hamburger Personalschlssel fr Kinder ab drei Jahren hingegen ist hinter BadenWrttemberg, Bremen und Niedersachsen bundesweit auf Platz vier geklettert. Gegenber 2012 zog Hamburg damit im Elementarbereich an Bayern und SchleswigHolstein vorbei. Die Verbesserungen sind laut Sozialbehrde vor allem auf das 2013 eingefhrte Programm "KitaPlus" zurckzufhren. Damit werden aktuell in rund 290 Kitas zustzliche Erzieherstellen finanziert. Diese Kitas, die einen sehr hohen Anteil von Kindern aus sozial belasteten oder aus migrantischen Familien haben, erhalten bis zu einem Viertel mehr Personal. Trotz der Verbesserungen erreiche Hamburg jedoch bei Weitem nicht ihre Empfehlungen fr ein kindgerechtes Betreuungsverhltnis in Kitas, mahnte die BertelsmannStiftung. Ihren Bildungsexperten zufolge sollte eine Erzieherin im Krippenbereich fr hchstens drei Kinder verantwortlich sein. Fr die Altersgruppe ab drei Jahren sollte der Personalschlssel nicht schlechter als bei eins zu 7,5 liegen. Diesen Wert wird Hamburg in den kommenden Jahren jedoch nicht erreichen und strebt das bis mindestens 2020 auch nicht an. Ende vergangenen Jahres haben sich die SPD, die Sozialbehrde und Trgerverbnde auf einen besseren Betreuungsschlssel fr Krippenund KitaKinder verstndigt. Zum 1. April dieses Jahres wurden die ersten Verbesserungen auf den Weg gebracht. Ab August 2019 soll die ErzieherKindRelation ihren endgltigen Stand erreicht haben, bei 1:4 im Krippenbereich und bei 1:10 bei den KitaKindern liegen. Fr die Finanzierung der Mehrausgaben rechnet Hamburg allerdings mit Geld vom Bund. Ohne diese Untersttzung knnte das Vorhaben noch kippen. "Besonders enttuschend ist, dass der rotgrne Senat nicht einmal anstrebt, zu sprbaren Verbesserungen bei der Betreuungsqualitt zu gelangen", sagte Philipp Heiner, familienpolitischer Sprecher der CDUBrgerschaftsfraktion. "Den von den Experten der BertelsmannStiftung empfohlenen Betreuungsschlssel von 1:3 wollen SPD und Grne nicht einmal annhernd erreichen." Zudem mache der Senat entscheidende Schritte zur Verbesserung des Betreuungsschlssels von Faktoren wie hheren Zuschssen vom Bund abhngig, "auf die Hamburg kaum Einfluss hat und die damit vllig ungewiss sind". Die Linke macht sich bei den Hamburger Betreuungsschlsseln zudem Sorgen um die Fachkrfte in den Einrichtungen. "Da knnen sich die Erzieherinnen und Erzieher noch so sehr auf Kosten der eigenen Gesundheit engagieren", sagt Sabine Boeddinghaus, die Fraktionsvorsitzende der Linken, "die Qualitt der Kitas kann unter diesen Bedingungen nur mangelhaft sein." Dass bessere Betreuungsschlssel schlicht nicht bezahlbar seien, glaubt Boeddinghaus nicht. Im Gegenteil: "Bessere Betreuungsschlssel sind finanzierbar der Senat msste nur endlich die richtigen Schwerpunkte setzen und die vorhandenen Bundesmittel einfordern." Bei dieser Forderung herrscht seltene Einigkeit mit der FDP. Deren familienpolitischer Sprecher Daniel Oetzel erklrte, es drfe nicht Hamburgs Anspruch sein, sich dem Mittelma anzuschlieen. "Wir brauchen die besten Einrichtungen des Landes." Dazu solle sich der Senat dafr einsetzen, die Milliarden aus dem Betreuungsgeld "den Lndern zweckgebunden fr die Verbesserung der Krippenbetreuung zu berlassen." Genau das habe man vor, kndigte Melanie Leonhard, Fachsprecherin fr Familie, Kinder und Jugend der SPDFraktion an. "Die positive Entwicklung beim Betreuungsverhltnis bestrkt uns in der Forderung, die Mittel des von uns weggeklagten Betreuungsgeldes direkt den Lndern zur Verfgung zu stellen", sagte Leonhard. Die Lnder wiederum sollten diese direkt in die KitaQualitt investieren. Dabei sei der Personalschlssel nicht der einzige weg zu mehr Qualitt, machte die Sozialbehrde deutlich. Dazu gehrten zum Beispiel auch bestimmte Standards in der Ausbildung der Erzieher, in den Konzepten der Kitas und ein breit getragenes Verstndnis, was frhkindliche Bildung ausmache. Diese Standards sollten mglichst nicht nur in jeder Stadt und jedem Bundesland, sondern in ganz Deutschland gleich hoch sein. Hamburg hat sich dafr einer BundLnderArbeitsgruppe angeschlossen, die 2016 erste Ergebnisse prsentieren will. "Den empfohlenen Betreuungsschlssel will RotGrn nicht erreichen"

Download des Artikels
!
!
!
!
!
!
!
!
!