Sport hat viele Facetten eSport ist eine davon!

Daniel Oetzel, sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, beantragte vor dem folgenden Hintergrund: 16.11.2016

Unter eSport, also elektronischem Sport, versteht man den sportlichen Wettkampf zwischen Menschen mithilfe von Computerspielen in unterschiedlichen Disziplinen. Hierbei wird der Rahmen des sportlichen Wettkampfes durch das jeweilige Computer- spiel und einem darauf aufbauenden Reglement gesetzt.

Die eSportler mssen, um im Wettkampf erfolgreich zu sein, verschiedene geistige und motorische Fhigkeiten und Fertigkeiten beherrschen und immer wieder trainie- ren. Hand-Augen-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit, Spielverstndnis, Spiel- bersicht, rumliches Orientierungsvermgen, laterales Denken, taktische Ausrich- tung oder krperliches Durchhaltevermgen sind nur einige der Fhigkeiten, welche zu den unabdingbaren krperlichen und geistigen Anforderungen fr eSportler geh- ren. Bereits im Jahre 2007 waren in Deutschland bis zu 4,5 Millionen eSportler aktiv1. Neben den vielen Amateuren haben sich inzwischen professionelle Strukturen her- ausgebildet, die Turniere organisieren und wirtschaftlich erfolgreich agieren knnen. So hat Ende 2015 der prominente deutsche Sportclub Schalke 04 beschlossen, eine eigene eSport-Abteilung zu grnden. Whrend der Mitgliederversammlung 2016 stell- te S04 dann ihr professionelles FIFA-Team vor. Mit der Grndung der World Esports Association (WESA) wurde zudem am 13. Mai 2016 eine weltweit agierende Organi- sation gegrndet, die das Ziel verfolgt, eSport weiter zu professionalisieren. Hierfr sollen professionelle Strukturen etabliert und Standards eingefhrt werden.

Aufgrund dieser positiven Tendenzen haben viele Lnder eSport inzwischen einen deutlich hheren Stellenwert eingerumt. In Grobritannien, den Niederlanden, Sd- korea, Schweden und Bulgarien wurden bereits eSport-Verbnde gegrndet. Als offi- zielle Sportart ist der eSport bereits in China und Korea anerkannt. Insgesamt wird eSport in ber 60 Nationen von etablierten Verbnden des organisierten Sports aner- kannt und teilweise vom Staat gefrdert2. In Deutschland wird dieser Schritt bislang vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verweigert. Zudem ist der eSport zum gegenwrtigen Zeitpunkt und nach derzeitiger Rechtslage nach einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Abgeordnetenhauses von Berlin nicht als Sport im rechtlichen Sinne anzusehen.3 In seiner Einschtzung weicht der wissenschaftliche Dienst damit von der generellen Beurteilung des Bundes- finanzhofes hinsichtlich der notwendigen Kriterien fr eine Sportart ab, welche dieser beispielsweise an den Motorsport anlegt. Der vom Bundesfinanzhof beurteilte Motorsport verlange Krperbeherrschung, zum Beispiel hinsichtlich des Wahrnehmungsvermgens, der Reaktionsgeschwindigkeit und der Feinmotorik, die in der Regel nur durch Training erlangt und aufrechterhalten werden knne. Diese Kriterien gelten vollumfnglich auch fr eSports. Im Hochleistungsbereich sind tgliche mehrstndige Einheiten zum Training von Wahrnehmungsvermgen, Reaktionsgeschwindigkeit und Feinmotorik unerlsslich.

Damit wird der eSport gegenber traditionellen gemeinntzigen Sportvereinen benachteiligt, da steuerliche Vorteile nicht gewhrt und ehrenamtliche Arbeiten nicht anerkannt werden. Diese historisch bedingte Ungleichbehandlung ist jedoch aufgrund der aktuellen Entwicklung im Bereich des eSport nicht mehr zu legitimieren. Somit ist es an der Zeit, eSport als gesetzlich anerkannte Fiktion in den Vorschriften ber die Gemeinntzigkeit zu verankern und damit den Weg zur Anerkennung als Sport zu ebnen. Grundvoraussetzung fr die weitere Verbesserung der Organisationsstrukturen (bei- spielsweise durch aktive Verbands- und Vereinsarbeit) im Bereich des eSport ist die Anerkennung als gemeinntziger Sport. Hierfr muss eSport in steuerrechtlicher Hin- sicht als fr die Gemeinntzigkeit eines Vereins nach 52 Absatz 2 Nummer 21 AO qualifizierende Sportart anerkannt werden. Eine solche Anerkennung ist bereits Sportarten wie Schach, Billard, Darts und Motorsport zugutegekommen. Aber auch Vereinen, die sich der Tier- und Pflanzenzucht, dem Amateurfunk oder auch dem Hundesport widmen, wird nach 52 Absatz 2 AO die Gemeinntzigkeit bescheinigt.

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