Transparenz in der Flüchtlingsbeschulung sowie ausgewogene Verteilung herstellen

Daniel Oetzel, sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, beantragte dem folgenden Hintergrund: 23.02.2016

Der Senat klärt bislang nur unzureichend über die Beschulung von Flüchtlingskindern auf. Zahlreiche Flüchtlingskinder werden in Regelklassen unterrichtet. Dies gilt sowohl für diejenigen, die nach dem Besuch einer Basisklasse oder Internationalen Vorberei- tungsklasse (IVK) in das Regelsystem wechseln als auch für die sechs- bis siebenjäh- rigen, die bislang in der Regel sofort in die erste oder zweite Klasse eingeschult wer- den. Zusätzliche Ressourcen für die Beschulung dieser Kinder sind für die Schulen kaum vorgesehen. Zahlen über Flüchtlinge in Basisklassen, IVK und den speziellen Klassen an den Berufsschulen gibt der Senat auf Anfrage detailliert heraus. Bei Fra- gen nach der Anzahl von Flüchtlingskindern in Regelklassen hingegen antwortet der Senat regelmäßig: „Das Merkmal „Flüchtling“ wird in der Schulstatistik nicht erhoben“ (siehe zum Beispiel Drs. 21/2990).

Es besteht die Gefahr, dass einzelne Schulen mit übermäßig vielen Flüchtlingskindern in den Regelklassen überfordert werden und gleichzeitig an anderen Standorten Kapazitäten frei sind. Um mögliche Probleme überhaupt zu erkennen und auf der Basis von Fakten die Entwicklung steuern zu können, ist die Erhebung von Daten unverzichtbar. Bislang lassen sich überhaupt keine Aussagen über die Herausforde- rungen treffen, die möglicherweise in Zusammenhang mit Flüchtlingskindern in Regel- klassen entstehen. Möglichen Datenschutzproblemen ließe sich entgegenwirken, wenn die zuständige Behörde bei weniger als fünf Flüchtlingskindern pro Klasse die Kategorie „5“ einführen würde, wie es etwa bei den Statistiken über Kinder mit son- derpädagogischem Förderbedarf in Regelklassen gehandhabt wird.

Auch bei den IVK und Basisklassen gibt es insofern Probleme, als sie sehr ungleich auf die einzelnen Schulen verteilt sind. Viele Schulen haben gar keine Flüchtlingsklas- sen, manche allerdings fünf oder mehr. Zudem bekommen häufig Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen (Sozialindex 1 oder 2) Flüchtlingsklassen zugewiesen und Schulen mit einem Sozialindex von 5 oder 6 sehr selten (Drs. 21/2990). Laut Schulbe- hörde gibt es bislang zwei Faktoren für die Verteilung dieser Klassen. Zum einen ist die räumliche Nähe zu den Flüchtlingsunterkünften entscheidend und zum anderen die räumliche Kapazität an den einzelnen Schulstandorten. So sinnvoll diese beiden Faktoren sind, bleibt der Sozialindex der Schulen gänzlich unberücksichtigt. Dies kann im Einzelfall dazu führen, dass Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen mit der Einrichtung besonders vieler Flüchtlingsklassen an ihre Grenzen stoßen und gleich- zeitig Schulen in anderen Gebieten mit freien Kapazitäten ungenutzt bleiben. Da alle schulpflichtigen Flüchtlinge über eine Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr verfü- gen, sind zumindest ab der weiterführenden Schule auch weitere Schulwege vertret- bar.

Download der SKA
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