Olympia: In dieser Schule flogen die Fetzen

Daniel Oetzel, sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, in der Hamburger Morgenpost: 19.10.2015

Von TILL STOPPENHAGEN "Grober Schwachsinn!" "Frechheit!" "Verrter!": Knallharter Schlagabtausch in der Aula des AlbertSchweitzerGymnasiums. Die Schler sollen sich eine Meinung zu Olympia bilden. Motto: "It's your choice", prsentiert von der MOPO. Vertreter von Parteien und AntiOlympiaInitiative sparen vor den Schlern nicht mit verbalen Schlgen manchmal auch unter die Grtellinie. Was spricht fr, was gegen Hamburgs Bewerbung, ber die alle Brger ab 16 Jahren am 29. November abstimmen? Auf dem Podium am Freitag: Vertreter der OlympiaBefrworter SPD, Grne und FDP, den Skeptikern der AfD und den Gegnern von der Linken und der Brgerinitiative "Stop Olympia". Doch zwei Akteure in der Runde nutzen die Diskussion primr zur krawalligen Selbstinszenierung. "Wenn ihr fr Olympia in Hamburg stimmt, seid ihr in zehn Jahren Opfer Opfer von Olympia", schleudert Bijan Tavassoli von der Linken den Schlern entgegen. Er sehe in dem Event eine finanzielle "Riesengefahr" und befrchte einen deutlichen Anstieg der Mieten das sei in London nach den Spielen auch passiert. "Lasst euch die schnste Stadt der Welt nicht kaputtmachen, um IOCFunktionren noch mehr Geld in den Arsch zu schieben!" Eine Steilvorlage fr FDPMann Daniel Oetzel. Schon bei seiner Vorstellung hatte er getnt, er knne jedes Argument gegen die Spiele entkrften. Nun fhrt er Tavassoli scharf an: "Diese Thesen sind grober Schwachsinn!" Die Spiele wrden fr mehr Wohnraum und mehr Jobs sorgen, von denen auch jeder Schler profitieren wrde. Vor Oetzels Zorn ist auch Rainer Behrens nicht sicher, obwohl der "Stop 01ympia"Vertreter sachlich und ruhig argumentiert: Oetzel wirft ihm dennoch "Dreistheit", "Frechheit" und "Populismus" vor. In dem rhetorischen Hahnenkampf bleiben die Fragen der Schler, die der MOPOReporter und Moderator Mike Schlink zu Wort kommen lsst, zum Teil auf der Strecke. Auf die Frage, welche Jobs die Spiele denn nach Hamburg bringen wrden, nennt die SPDAbgeordnete Dorothee Martin vage den Dienstleistungssektor. Das lsst viele eher ratlos zurck. Auch die Frage, wie der HVV die Besuchermassen stemmen soll, geht unter. Dafr ist auf der Bhne wieder was los: Als Tavassoli fordert, das Geld fr Olympia doch lieber gleich in den Wohnungsbau zu investieren, steht die Runde kurz vorm Tumult. Auch die bislang sachlichen Vertreter von SPD, Grnen und AfD versuchen gemeinsam mit Oetzel, den Linken durch laute Zwischenrufe mundtot zu machen. Die Schler johlen und klatschen, und Moderator Schlink hat alle Hnde voll zu tun, um das Streitgesprch nicht entgleisen zu lassen. Zum Schluss gibt es, wie schon vor dem Streitgesprch, eine Publikumsabstimmung. Zwar stimmt auch beim zweiten Mal die Mehrheit der Schler fr die Bewerbung. Der Anteil der Olympiagegner ist aber deutlich gewachsen. "Wenn ihr fr Olympia stimmt, seid ihr in zehn Jahren Opfer." Bijan Tavassoli (Linke)

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