Leidenschaftlicher Kampf um die Spiele

Daniel Oetzel, sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, im Hamburger Abendblatt: 10.10.2015

Mann, die ham sich ja ganz schn gefetzt", raunten sich die Schler hinterher auf den Fluren zu. In der Tat: Wer davon ausging, dass die Volksvertreter bei Diskussionen nur Blabla bieten und im brigen viel zu pfleglich miteinander umgehen, erlebte am Montag im Gymnasium Hochrad das Gegenteil. Leidenschaftlich, phasenweise geradezu wtend diskutierten sechs Politiker im Rahmen der "It's your choice"Tour das Thema Olympia nicht nur mit den rund 200 anwesenden Schlern, sondern vor allem untereinander. Die Tour wurde von der Brgerschaft in Zusammenarbeit mit der Agentur DSA youngstar ins Leben gerufen, um Schler bei der Meinungsfindung bei der Frage "Olympia ja oder nein" zu untersttzen. Das Hamburger Abendblatt ist Medienpartner. Insgesamt gibt es mehr als 50 Schultermine mit Politikern der in der Brgerschaft vertretenen Parteien. Die AfD hatte diesmal niemanden nominiert. Die gut vorbereiteten HochradSchler hatten viele Fragen zu den anstehenden Kosten. "Wie teuer wird's denn nun wirklich fr Hamburg?", wollte Timo (S3) wissen Als Bijan Tavassoli, Chef der Linksjugend, im Verlauf der Diskussion orakelte, dass Eintrittstickets sicherlich so teuer wrden, dass sich "das Volk" den Besuch der Spielsttten kaum leisten knnen werde, platzte dem FDPBrgerschaftsabgeordneten Daniel Oetzel der Kragen. "Du weit doch genau, dass die Ticketpreise lngst festgelegt und in vier Kategorien unterteilt sind. Du behauptest, der Senat streue den Menschen Sand in die Augen, dabei versuchst du selbst, genau das zu tun." Und an die Schler adressiert: "Schaut euch das genau an, wie das hier luft, und merkt es euch." Antonia Niecke (CDU), selbst ehemalige HochradSchlerin, sekundierte Oetzel. An Tavassoli gewandt schimpfte sie: "Ich halte zwar nichts von persnlichen Angriffen, aber ich finde es nicht gut von dir, uns hier frech ins Gesicht zu lgen." Tavassoli lie sich von der Kritik seiner Politkollegen allerdings berhaupt nicht beeindrucken. Seinem Tischnachbarn Benjamin Hrders von den Altonaer Grnen klopfte er leutselig auf die Schulter: "Du bist wirklich der netteste Grne, neben dem ich je gesessen habe." Das lag vermutlich daran, dass Hrders eher wie ein Olympiagegner argumentierte. Obwohl sich seine Partei zu den Spielen in Hamburg bekennt, formulierte er immer wieder umweltpolitische Bedenken und Kritik an Details des bisherigen Verfahrens. Tavassoli schien zeitweise viele Sympathien der Schler zu haben und vertrat gut gelaunt seine provozierenden Thesen. Auf die Frage von Pavel (Sl), ob Politiker berhaupt beurteilen knnten, wie Hamburgs Chancen seien, antwortete der Jurastudent beispielsweise: "Die Chancen Hamburgs steigen, je mehr Geld die Stadt in die schwarzen Kassen des IOC zahlt." Das rief erneut Daniel Oetzel auf den Plan, der den Schlern mit unterdrcktem Zorn erluterte, dass das IOC erst im vergangenen Jahr umfangreiche Reformen beschlossen hatte, durch die die Spiele unter anderem transparenter werden sollen. "Wenn die Spiele nach Hamburg kommen, werden sie transparent, demokratisch und nachhaltig sein" konterte Oetzel energisch, "dafr sorgen wir. Und wenn das IOC das nicht mitmachen will, dann sollen die doch woanders ein Schmierentheater auffhren, aber nicht in Hamburg." Dazu der LinkenPolitiker lssig: "Na, da bin ich ja mal gespannt." Andreas Bernau, sportpolitischer Sprecher der SPD im Bezirk Altona, fasste Tavassolis Diskussionsbeitrge schlielich so zusammen: "Wenn die Olympiagegner berhaupt mal was sagen, sollte es wenigstens die Wahrheit sein." Das ging auch an die Adresse von Johannes Mller von der Grnen Jugend, der fr "Stop Olympia" auf dem Podium sa. Mller hatte die Schler unter anderem gemahnt, ihre Wahlentscheidung nicht blo auf Enthusiasmus aufzubauen. Schlielich koste Olympia Hamburg 15 Milliarden Euro, ein Bankrott der Stadt sei da nicht auszuschlieen. Oetzel, Niecke und Bernau hatten diesen Ausfhrungen mit heftigem Kopfschtteln und rgerlichen Zwischenrufen gelauscht, schlielich erluterten sie, dass Hamburg sich dazu verpflichtet habe, nicht mehr als 1,2 Milliarden Euro auszugeben. In Richtung Tavassoli rief Bernau schlielich: "Bei 1,2 Milliarden ist Schluss, kapiert das doch endlich." Schler Reza (S3) hakte nach: "Ich habe gelesen, dass der Bund mit der Finanzierung noch zgert, ich bin da skeptisch." Ob Hamburg das Geld nicht besser fr Flchtlinge aufwenden sollte, wollte John (S3) wissen. Zustimmendes Nicken bei Bijan Tavassoli und Johannes Mller, Nachdenklichkeit bei Benjamin Hrders. Daniel Oetzel konterte schlielich mit dem Hinweis, dass der Senat Ende August bereits mehr als 500 Millionen Euro zustzlich fr die Flchtlinge bewilligt habe. Das sei "ein beeindruckendes Zeichen". Und Antonia Niecke ergnzte: "Hamburg muss trotzdem an seinen Projekten weiterplanen. Wir stellen ja deshalb jetzt auch nicht den Dom ein." "Es wird immer behauptet, Hamburgs Bekanntheitsgrad in der Welt wrde steigen", so Tim (S1), "stimmt das denn auch?" Antwort Daniel Oetzel: "Stdte wie Sotschi und Salt Lake City sind durch die Spiele in der Welt viel bekannter geworden, das zeigen Untersuchungen." Dadurch liee sich auch die Integrationskraft der Stadt enorm steigern, und das komme langfristig auch den Flchtlingen zugute. Nachdem die Schler ihren Applaus whrend der 90mintigen Diskussion fair auf die Referenten verteilt hatten, gab es bei der Abstimmung am Schluss doch ein sehr deutliches Votum fr die Spiele. Die Diskussion zeigte: Je nher der Abstimmungstermin (29. November) rckt, desto mehr steigt die Spannung. Auch bei den Politprofis. Wenn die Olympiagegner berhaupt mal was sagen, sollte es wenigstens die Wahrheit sein." Andreas Bernau, Sportpolitiker der SPD Altona

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